Sunday, 4 March 2018

Der Parkbank Pinkler: Rücksex säen

„Ahnte, schwante, tut die Tante,
schlechte Note, Schuldenquote.”
—'aus der Grotte

.IVX

Keiner schaut bei ihm vorbei. Oder, wie es gerade geht, den Umstanden entsprechend, hinein zwischen der Raumdecke aus der Brückenunterseite, und der von den vier Wänden, die nicht zu dieser Decke hinaufreicht. Daraus kommt das Loch vom Schlupfloch. Da oben, neben den rockend un' rollenden Zwei- bis Zwölfrädern, ist auch eine Bushaltestelle, wo es kräftig quietscht. Die leere Lastkraftwagen rütteln aber am dollsten durch. Besuch aber nicht.


Diese Notunterkunft besteht aus Stahlbeton, bis auf den Betonboden bewachsen mit angesammelter Erde, anfänglich schlicht Staub vom Kanalwind getrieben. Dieser weht seit einer Woche bleibend bei Minusgraden, zum Glück nicht stark, eigentlich eher mäßig, und überraschenderweise läßt sich seine Staubstube speziell zu dieser Jahreszeit lebenspraktisch einrichten.

Der Kühlschrank mit Gefriertruhe ist metallgekapselte Furnierplatte, Matroschka-mäßig geschachtelt, kompliziert gebastelt, doch voll einfach zu bedienen. Im Moment bietet das tiefste Fach Schutz vorm Gefrierpunkt. Im Sommer dagegen, je tiefer umso kühler. Der Schrank steht anstelle der mittleren und unteren Schubladen von der Dreierkommode, diese auch als Nachttisch bedienend, darauf ein Heft und eine Illustrierte mit vielen Bildern, in der noch vorhandenen oberen Schublade, ein Gemengsel Kerzen. Das Bett dient als niedrig stehendes Sofa, wenn angesagt, aber wie gesagt, »Keena kommt bei mir rüber, um zu sehn, wies mir eijentlich jeht?«

Das stimmt. Und bei diesem Wetter auf keinen Fall. Aber dafür wonach sich wichtiger zu erkundigen wäre: Was der Typ verdrängt? Nämlich nicht nur, dass für alle außer ihm dieses Kabuff keine Kuschelecke konstituiert, aber auch zunächst als Versteck gedacht wurde, mehr Abstellraum denn Stube. Asozial auf alle Fälle. Einer suhlt sich in Selbstmitleid, denn irgendwo tief drunten oder drin wühlt ein Gewissen, das sagt, »So sollse Schuld: nicht bewusst sein.« So fern zu halten, das das Gewissen gesiezt wird, von jemandem, der beinahe nie siezt.

Sei es denn ein Gewissen so schlecht, dass einen zum sich Verbergen bringt? Und wenn, warum? Also, die Frage ist nicht: Warum dreht das drunten-drin den Mensch so durcheinander? Nein, natürlich nicht. Jeder weißt von solchen psycho Umtrieben. Lieber: Was genau macht man so schuldbewusst, dass es nicht anerkannt bleiben dürfte?  Die Antwort verrät sich simpel. Selbstredend kommen klügere Leser zu dem Schluss: die Klage sagt alles.

Eine klassische Abwehrhaltung ist nicht gerade günstig, wenn man bedenkt, was einer dafür bekommt. Das Miteinander ist nicht wie etwa der Freihandel, ein Unwort sowieso. Redet ein Spinner laut von Vergeltungsmassnahmen für passiv-aggressiv gefühlte geringfügige Geringschätzung vis-a-vis Sozialengagements, ist er wohl im Suff, und währen Zöllen auf Whiskey wohl erwägt wird, wird tödlichen Projektilen gesteuert, aber nicht besteuert. Psychologische Projektionen wiederum...

Eine Schranke für die Rückkopplung ist nicht existent, der Bumerang von der Last nicht nur einmal, sondern immer wieder. Wie ordnungsgemäß bis stets bestellte Kartoffeln Grottenschlecht un' 'ne Kotzreich-Cola von der Gaststätte Johnny Rotten au Gratin: Unsterblich. Nicht wie der Mensch selbst. »Der Stoffumbau kannste vagessen! Det Leben wirdsu Steene!«

Aber die Stube stimmt. Wie ein Grab.

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